Festung Gemeinde Ziegenhain

   

Ziegenhain – Auf den Spuren der Festungs- und Garnisonsstadt

Als ich anfing diesen Bericht zu schreiben, musste ich an eine Fernsehabenteuerserie, die ich als Kind gesehen habe: Das große Abenteuer des Kaspar Schmeck. Was das mit dieser Stadt und Festung im schönen Schwalm-Eder Kreis zu tun hat, erfahrt ihr später...

Wenn man heute durch die gemütlichen Gassen von Ziegenhain in Nordhessen spaziert, ahnt man vielleicht nicht sofort, dass man sich in einer Stadt mit einer überaus bewegten militärhistorischen Vergangenheit befindet. Für mich war es ein spannendes Erlebnis, die Spuren dieser Geschichte Schritt für Schritt zu entdecken – und sie reichen vom Mittelalter bis in den Zweiten Weltkrieg.

Der Stern, der die Stadt formte

Schon im Mittelalter war Ziegenhain Sitz der gleichnamigen Grafen. Als deren Linie 1450 ausstarb, übernahmen die Landgrafen von Hessen. Besonders Landgraf Philipp der Großmütige hatte Großes vor: Er ließ die Stadt im 16. Jahrhundert zur modernen Wasserfestung ausbauen.

Ein sternförmiges Bastionensystem mit Wassergräben und Wallanlagen machte Ziegenhain damals fast uneinnehmbar – und bis heute prägt dieser sternförmige Grundriss die Altstadt. Man spürt es sofort, wenn man durch die Straßen läuft: Hier wurde bewusst in Linien und Winkeln gedacht, die Feinde abwehren sollten.

Ziegenhain im Dreißigjährigen Krieg

Diese Festung blieb nicht lange ungenutzt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Ziegenhain mehrfach belagert und eingenommen. Für die Schweden wie für die kaiserlichen Truppen war die Stadt ein wichtiger Stützpunkt mitten in Deutschland. Man kann sich vorstellen, wie die Bewohner in dieser Zeit zwischen Hoffnung und Angst lebten – mit der Festung als Schutz und zugleich als Magnet für Kämpfe.


Garnison und Soldatenleben

Auch nach den Religionskriegen blieb Ziegenhain eine Garnisonsstadt. Jahrhunderte lang prägten Soldaten das Leben hier. Für die Stadt bedeutete das zwar Sicherheit, aber auch Abhängigkeit – man lebte von der Versorgung der Truppen und ihrer Familien.

Nach dem Deutschen Krieg von 1866 fiel Ziegenhain mit ganz Kurhessen an Preußen. Damit änderten sich die Farben der Uniformen, nicht aber der militärische Charakter.

Vom Kaiserreich zu zwei Weltkriegen


Im Kaiserreich war Ziegenhain weiterhin ein militärischer Standort. Während des Ersten Weltkriegs richtete man hier ein Gefangenenlager ein, in dem Soldaten verschiedener Nationen untergebracht waren.

Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses Lager als Stalag IX A weitergeführt. Tausende Kriegsgefangene aus Frankreich, der Sowjetunion, den USA und anderen Ländern waren hier interniert.

Heute zwischen Kultur und Erinnerung

Heute ist Ziegenhain vor allem für sein Konfirmationsstädtchen bekannt, aber die Vergangenheit ist allgegenwärtig. Beim Spaziergang entdeckt man die sternförmige Struktur, alte Kasernenbauten und Erinnerungsorte am Gelände des ehemaligen Stalag IX A.

Rundum ein Ort mit viel Geschichte, der sich zu erkunden lohnt. Am Anfang erwähnte ich ja die Abenteuerserie vom Kaspar. Nun will ich euch erklären was das mit Ziegenhain zu tun hat. Von 1776-1783 war die Festung Sammelplatz der hessischen Soldaten die ihr Landesvater für Gold an Großbritannien verkaufte um für Old Albion in Nordamerika gegen abtrünnige Amerikaner zu kämpfen. Und jetzt kommst du werter Leser bestimmt selbst darauf, worum es in der Serie um den hessischen Küchenjungen Kaspar und seine Abenteuer geht. Anschauen lohnt sich und es ist allemal spannender, als der Hesse ohne Kopf in Sleepy Hollow.
Mein Fazit: Ziegenhain ist allemal ein Besuch wert. Geschichte kann auch hessisch regional spannend sein. Ziegenhain ist der Beweis dafür!

Weitere Tipps in Ziegenhain:

  • Museum der Schwalm (Treysa/Ziegenhain): Hier erfährt man nicht nur viel über die berühmte Schwälmer Tracht und die regionale Kultur, sondern auch über die Zeit, als Ziegenhain Festungs- und Garnisonsstadt war.
  • Rundgang durch die Festungsanlagen: Der sternförmige Grundriss der Altstadt lässt sich gut zu Fuß erkunden. Tafeln und Hinweise erklären die Bauweise und Funktion der Bastionen.
  • Gedenkstätte Stalag IX A: Am Ort des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers erinnern Tafeln und Ausstellungen an das Schicksal der Internierten. Ein stiller Ort, der Geschichte greifbar macht.
  • Spaziergang entlang des Festungsgrabens: Der Wassergraben, der die Altstadt bis heute umzieht, ist ein besonderer Ort für einen kleinen Rundweg. Im Sommer spiegeln sich die alten Mauern im Wasser und man bekommt eine Ahnung vom einstigen Schutzwall.
  • Stadtführungen: In Schwalmstadt-Ziegenhain werden regelmäßig Führungen angeboten, die die militärische Vergangenheit lebendig machen. Ideal, wenn man die Fakten nicht nur lesen, sondern direkt vor Ort erklärt bekommen möchte.

Du warst schonmal hier und hast weitere interessante Fakten über diesen Ort? Lass es uns wissen und schreib es in die Kommentare. Ansonsten schau doch selber gerne mal in Ziegenhain vorbei. Es lohnt sich!

 


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